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LehrsatzEthics II.P478 / 18

Der menschliche Geist hat adäquate Erkenntnis von Gottes Wesen

Der menschliche Geist hat adäquate Erkenntnis von Gottes Wesen8
Ethics II.P47

Formale Aussage

Der menschliche Geist hat eine adäquate Erkenntnis des ewigen und unendlichen Wesens Gottes.

In einfacher Sprache

Dies ist eine der kühnsten Behauptungen Spinozas. Jede Idee eines Körpers schließt Gottes ewiges Wesen ein (II.P45-46), und diese Ideen sind adäquat (II.P46). Die Erkenntnis Gottes ist also nicht hinter Glaube oder Offenbarung verschlossen -- sie ist in die Struktur jeder adäquaten Idee eingebaut, die du bildest. Wann immer du etwas wahrhaft verstehst, erfasst du, ob du es weißt oder nicht, eine Facette von Gottes Wesen. Notwendigkeit ist kein abstraktes Postulat; sie ist etwas, das du konkret erkennen kannst.

Warum dies folgt

Schritt 7 (df-07) hat gezeigt, dass die Vernunft die Dinge unter einer Form der Ewigkeit erfasst -- der Ewigkeit des Wesens Gottes. Dieser Schritt macht es ausdrücklich: Der menschliche Geist kann und hat adäquate Erkenntnis dieses ewigen Wesens. Das begründet das gesamte Projekt: Könnten wir die Notwendigkeit nicht erkennen, könnte ihr Verstehen uns nicht befreien.

Gotteserkenntnis ist nicht esoterisch -- sie ist der Inhalt jeder adäquaten Idee.

Verknüpfte Begriffe

Fühlt sich diese Behauptung zu stark an? Was müsste geschehen, damit 'adäquate Erkenntnis von Gottes Wesen' etwas Gewöhnliches wäre, nicht Heiligen oder Genies vorbehalten?