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LehrsatzEthics IV.P35; Ethics IV.P36; Ethics IV.P3715 / 18

Vernünftige Menschen stimmen im Wesen überein und wünschen anderen das Gute

Vernünftige Menschen stimmen im Wesen überein und wünschen anderen das Gute15
Ethics IV.P35; Ethics IV.P36; Ethics IV.P37

Formale Aussage

Insofern die Menschen nach der Leitung der Vernunft leben, stimmen sie stets notwendig im Wesen überein. Das höchste Gut derer, die der Tugend folgen, ist allen gemeinsam. Das Gute, das jeder Mensch, der der Tugend folgt, für sich begehrt, wird er auch für andere Menschen begehren.

In einfacher Sprache

Freiheit ist sozial, nicht solitär. Wenn Menschen aus der Vernunft heraus handeln statt aus verworrenen Leidenschaften, konvergieren sie: Sie wollen dasselbe (Verstehen), und dieses Ding ist keine knappe Ressource. Deine Erkenntnis schmälert nicht die meine -- sie bereichert sie. Konflikt entsteht aus passiven Affekten und Knappheit, nicht aus der Vernunft. Deshalb besteht Spinoza darauf, dass der freie Mensch kein Eremit ist, sondern ein Bürger. Je mehr vernünftige Menschen um dich herum sind, desto mehr wird deine eigene Macht gesteigert.

Warum dies folgt

Schritt 14 (df-14) hat das höchste Gut als Erkenntnis Gottes identifiziert, die eine adäquate Idee ist. Dieser Schritt zieht die soziale Konsequenz: Da adäquate Ideen Gemeinbegriffe sind -- strukturelle Wahrheiten, die für alle gelten --, teilen vernunftgeleitete Menschen dasselbe Gut. Freiheit ist inhärent gemeinschaftlich, weil ihr Inhalt (Verstehen) inhärent teilbar ist.

Freiheit ist sozial: Vernünftige Akteure stimmen im Wesen überein und teilen das höchste Gut.

Verknüpfte Begriffe

Ist Spinoza naiv hinsichtlich menschlicher Kooperation, oder deutet die Unterscheidung zwischen leidenschaftlichem Konflikt und vernünftiger Übereinstimmung auf etwas Reales in deiner Erfahrung?