Nichts wird zerstört außer durch eine äußere Ursache
Formale Aussage
Nichts kann zerstört werden außer durch eine ihm äußere Ursache. Die Definition eines Dinges bejaht sein Wesen, verneint es aber nicht; solange wir ein Ding für sich betrachten, finden wir nichts in ihm, das es zerstören könnte.
In einfacher Sprache
Das sieht täuschend einfach aus, ist aber tragend. Die Definition eines Dinges sagt, was es ist, nicht, was es nicht ist. Es gibt nichts in einem Stein, einem Menschen oder einer Idee, das einem Selbstzerstörungsknopf gleichkäme. Zerstörung kommt immer von außen. Wenn du auseinanderfällst, leistet etwas Äußeres die Arbeit. Das wird in zwei Schritten wichtig, wenn Spinoza den Antrieb zum Fortbestehen ableitet.
Warum dies folgt
Aus der Grundlegung: Jedes Ding ist ein bestimmter Modus der Substanz (I.P25 Kor.). Sein Wesen ist das, was es ist, und ein Wesen bejaht per Definition Sein -- es enthält nicht seine eigene Verneinung. Jede Kraft der Zerstörung muss daher jenseits des Dinges selbst ihren Ursprung haben.
Selbstzerstörung ist unmöglich; jede Bedrohung der Existenz eines Dinges kommt von außen.
Bedeutet das, dass selbstzerstörerisches Verhalten bei Menschen in Spinozas Rahmen stets letztlich durch äußere Kräfte verursacht ist? Was wären diese Kräfte?