Aktivität aus adäquaten Ideen; Passivität aus inadäquaten Ideen
Formale Aussage
Unser Geist ist tätig, insofern er adäquate Ideen hat, und leidend, insofern er inadäquate Ideen hat. Die Tätigkeiten des Geistes entspringen allein aus adäquaten Ideen; passive Zustände hängen allein von inadäquaten Ideen ab.
In einfacher Sprache
Hier ist die Leitunterscheidung für alles Folgende. Wenn du etwas wahrhaft verstehst -- seine Ursache klar erfassend --, bist du die adäquate Ursache dessen, was aus diesem Verstehen folgt. Du bist aktiv. Wenn deine Ideen verworrene Bruchstücke sind, die von äußeren Dingen abhängen, die du nicht begreifst, bist du nur eine Teilursache. Du bist passiv, wirst herumgestoßen. Affekte werden sich genau entlang dieser Linie teilen: manche werden dir widerfahren, andere wirst du selbst tun.
Warum dies folgt
Das Wesen des Geistes wird durch adäquate und inadäquate Ideen konstituiert (ce-02, II.P11, II.P13). Was aus einer adäquaten Idee folgt, hat den Geist als seine adäquate Ursache (III, Def. I-II). Was aus einer inadäquaten Idee folgt, hat den Geist nur als Teilursache. Die Grenze zwischen aktiv und passiv bildet sich also direkt an der Grenze zwischen adäquat und inadäquat ab.
Die Unterscheidung von aktiv und passiv bei den Affekten folgt der Unterscheidung von adäquat und inadäquat in der Erkenntnis.
Verknüpfte Begriffe
Fällt dir ein Affekt ein, den du erlebt hast und der eher aus genuinem Verstehen als aus Verworrenheit zu entspringen schien? Was machte ihn anders?