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LehrsatzEthics II.P40 Schol.6 / 18

Die Vernunft ist die zweite Erkenntnisart

Formale Aussage

Es gibt drei Erkenntnisarten: (1) Einbildungskraft oder Meinung, aus Sinneserfahrung und Hörensagen; (2) Vernunft, aus Gemeinbegriffen und adäquaten Ideen der Eigenschaften; (3) intuitive Erkenntnis (scientia intuitiva), von adäquaten Ideen der Attribute Gottes zum Wesen der Dinge. Erkenntnis der ersten Art ist die einzige Quelle der Falschheit; die zweite und dritte Art sind notwendig wahr.

In einfacher Sprache

Spinoza benennt nun den Weg aus der Verworrenheit. Die Einbildungskraft -- unser Standardmodus -- liefert inadäquate Ideen und alle damit verbundenen Irrtümer. Die Vernunft gibt uns Gemeinbegriffe: universelle Wahrheiten, die für alle Körper und alle Geister gelten. Die intuitive Erkenntnis (scientia intuitiva) erfasst singuläre Wesenheiten unmittelbar. Der entscheidende Punkt ist, dass es ein bestimmtes, benennbares kognitives Upgrade gibt: von verworrenen Sinnesbildern zu strukturellem Verstehen. Dies ist der Hebel, der uns aus der Knechtschaft lösen wird.

Warum dies folgt

Die Schritte 4-5 (df-04, df-05) haben gezeigt, dass unsere Standarderkenntnis inadäquat ist, adäquate Ideen aber möglich und sich selbst beglaubigend sind. Dieser Schritt benennt die kognitive Fähigkeit -- die Vernunft --, die zuverlässig adäquate Ideen hervorbringt, und gibt uns ein konkretes Werkzeug für die bevorstehende Arbeit.

Die Vernunft ist der benannte Weg von der Verworrenheit der Einbildungskraft zur strukturellen Wahrheit.

Denke an etwas, das du einst einfach aus Erfahrung 'wusstest', und an etwas, das du durch seine zugrunde liegenden Prinzipien verstehst. Wie fühlen sich diese Erkenntnisarten in der Praxis unterschiedlich an?