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LehrsatzEthics IV12 / 18

Knechtschaft definiert: das Bessere sehen und dem Schlechteren folgen

Knechtschaft definiert: das Bessere sehen und dem Schlechteren folgen12
Ethics IV

Formale Aussage

Die menschliche Ohnmacht, die Affekte zu mäßigen und zu zügeln, heißt Knechtschaft; denn ein Mensch, der seinen Affekten unterworfen ist, ist nicht sein eigener Herr, sondern dem Schicksal ausgeliefert -- so sehr, dass er oft gezwungen ist, das Bessere zu sehen und dennoch dem Schlechteren zu folgen.

In einfacher Sprache

Dies ist die Vorrede zu Teil IV, und sie liest sich, als hätte Spinoza jeden Neujahrsvorsatz gekannt, den du je gebrochen hast. Du weißt, du solltest dich bewegen, lernen, geduldig sein -- und dennoch scrollst du, schiebst auf, wirst gereizt. Die antike Formel dafür ist Akrasia, Willensschwäche. Doch Spinoza hat gerade geleugnet, dass der Wille ein eigenes Vermögen ist. Was geschieht also wirklich? Du wirst von dem jeweils stärksten Affekt bestimmt, und das 'Bessere', das du siehst, ist eine schwächere Idee, die von einer lebendigeren, gegenwärtigeren überwältigt wird.

Warum dies folgt

Schritt 11 (df-11) hat den universalen Determinismus von der spezifisch menschlichen Knechtschaft unterschieden. Dieser Schritt gibt der Knechtschaft ihre präzise Definition aus dem Text. Die Kombination aus inadäquaten Ideen und mächtigen passiven Affekten bedeutet, dass wir oft von dem bewegt werden, was am nächsten und lautesten ist, statt von dem, was wir als das Beste erkennen.

Knechtschaft ist der Zustand, das Bessere zu sehen und dennoch vom Schlechteren bewegt zu werden.

Spinoza sagt, du folgst dem Schlechteren nicht, weil dein Wille schwach ist, sondern weil ein stärkerer Affekt eine schwächere Idee überwältigt. Verändert diese Neubeschreibung, wie du das Problem angehen könntest?