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ÜberleitungEthics II.P48; Ethics II.P49; Ethics IV11 / 18

Determinismus ist universal, doch Knechtschaft ist spezifisch menschlich

Determinismus ist universal, doch Knechtschaft ist spezifisch menschlich11
Ethics II.P48; Ethics II.P49; Ethics IV

Formale Aussage

Der Determinismus gilt für die gesamte Natur gleichermaßen, doch die Knechtschaft -- der Zustand, Spielball der Affekte zu sein, das Bessere zu sehen und dem Schlechteren zu folgen -- ist ein spezifisch menschliches Schicksal, das aus der Kombination von endlicher Macht und inadäquaten Ideen entsteht.

In einfacher Sprache

Ein Stein ist bestimmt, aber wir nennen ihn nicht in 'Knechtschaft'. Knechtschaft ist, was geschieht, wenn ein Wesen, das Ideen bilden kann -- und daher verworrene bilden kann --, von Affekten herumgestoßen wird, die es nicht versteht. Die Grundlegungsphase hat uns das kosmische Bild gegeben: universale Notwendigkeit, kein freier Wille, Vernunft als Weg zur Adäquatheit. Jetzt wenden wir uns der menschlichen Lage zu. Spinoza interessiert sich nicht für den Determinismus als spekulative These; er interessiert sich dafür, was er für Wesen wie uns bedeutet, die gerade deshalb leiden, weil sie die sie bestimmenden Ursachen nicht kennen.

Warum dies folgt

Die Schritte 9-10 (df-09, df-10) haben das theoretische Argument abgeschlossen: kein freier Wille, Wille gleich Verstehen. Dieser Brückenschritt markiert den Übergang von der Demonstration zur Konsequenz. Wir fragen nun: Angenommen, der Determinismus ist wahr, was ist das spezifisch menschliche Problem, das er schafft, und welche Mittel bietet Spinoza an, ihm zu begegnen?

Knechtschaft ist nicht der Determinismus selbst, sondern die menschliche Lage des passiven, affektgetriebenen Lebens.

Was ist der Unterschied zwischen Bestimmt-Sein (was alles ist) und In-Knechtschaft-Sein (was nur verworrene, endliche Geister sind)? Warum ist die Unterscheidung wichtig?