Der freie Mensch denkt am wenigsten an den Tod
Formale Aussage
Ein freier Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod; und seine Weisheit ist ein Nachdenken nicht über den Tod, sondern über das Leben.
In einfacher Sprache
Ein freier Mensch -- einer, der von der Vernunft geleitet wird -- verweilt nicht beim Tod, weil die Vernunft sich mit dem befasst, was ist, nicht mit Negation. Der Tod ist das Ende der Leistungsfähigkeit des Körpers, und ein Geist, der auf Verstehen gerichtet ist, ist auf das gerichtet, was er tun kann, nicht auf das, was ihn zerstören wird. Das bedeutet nicht, dass der freie Mensch leichtsinnig oder in Verleugnung ist. Es bedeutet, dass Freiheit die Ausrichtung verändert: Man wendet sich dem Leben und seinen Möglichkeiten zu, nicht vom Tod und seinen Schrecken ab. Die Metaphysik der Notwendigkeit hat sich nicht geändert -- du wirst trotzdem sterben --, aber dein Verhältnis zu dieser Tatsache hat sich geändert.
Warum dies folgt
Die Schritte 14-15 (df-14, df-15) haben festgestellt, dass Freiheit in adäquater Erkenntnis gründet und inhärent sozial ist. Dieser Schritt zeigt, wie diese Freiheit von innen aussieht: Sie lenkt die Aufmerksamkeit von der Furcht (einem passiven Affekt, gebunden an die Vorstellung künftiger Zerstörung) auf das aktive Sich-Einlassen auf das Leben um. Freiheit verändert die Ausrichtung, nicht die Metaphysik.
Freiheit richtet den Geist auf das Leben hin aus, nicht vom Tod weg.
Spinoza sagt, Weisheit sei ein Nachdenken über das Leben, nicht über den Tod. Die Stoiker sagten 'memento mori'. Stehen diese Positionen wirklich im Widerspruch, oder könnten sie vereinbar sein?