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LehrsatzEthics III.P67 / 16

Jedes Ding strebt danach, in seinem Sein zu verharren

Formale Aussage

Jedes Ding, insofern es in sich ist, strebt danach, in seinem eigenen Sein zu verharren. Einzelne Dinge sind Modi, die Gottes Macht auf bestimmte Weise ausdrücken. Kein Ding enthält etwas, das es zerstören könnte (III.P4), und es widersteht allem, was ihm die Existenz nehmen könnte (III.P5). Daher strebt es, soweit es vermag, fortzubestehen.

In einfacher Sprache

Hier ist er -- der Conatus (conatus), Spinozas berühmtester Begriff. Jedes existierende Ding wehrt sich gegen seine eigene Zerstörung. Nicht weil es im bewussten Sinne 'überleben will', sondern weil sein Sein selbst ein Ausdruck der Macht der Substanz ist. Ein Stein widersteht dem Zerspringen; eine Pflanze wendet sich dem Licht zu; ein Mensch kämpft um Atem. Dies ist keine mysteriöse Lebenskraft, die den Dingen hinzugefügt wird -- es ist das, was es bedeutet, überhaupt zu existieren. Zu sein heißt zu streben.

Warum dies folgt

Aus ce-05 (keine innere Zerstörung) und ce-06 (Gegensätze ausgestoßen): Da nichts in einem Ding auf seine eigene Vernichtung hinwirkt und es dem, was es zerstören würde, strukturell widersteht, ist die Existenz des Dinges selbst ein aktives Streben nach Fortdauer. Spinoza fügt hinzu, dass Dinge Modi sind, die Gottes Macht ausdrücken (I.P25, I.P34), sodass ihr Fortbestehen unmittelbarer Ausdruck dieser Macht ist.

Conatus -- das Streben, im Sein zu verharren -- ist der grundlegende Antrieb, aus dem alle Affekte abgeleitet werden.

Verknüpfte Begriffe

Ist der Conatus bloß biologischer Überlebenstrieb, oder sagt Spinoza etwas Radikaleres -- dass sogar nichtlebende Dinge 'streben'? Was ändert das?