Veränderungen der körperlichen Macht verändern die geistige Macht
Formale Aussage
Was auch immer die Handlungsmacht unseres Körpers vermehrt oder vermindert, fördert oder hemmt, davon vermehrt oder vermindert, fördert oder hemmt die Idee die Denkmacht unseres Geistes. Dies ist der entscheidende Lehrsatz, der den Conatus mit den Affekten verbindet.
In einfacher Sprache
Hier wird das Streben zum Fühlen. Weil Geist und Körper parallel sind (ce-01), ist jede Steigerung der Macht deines Körpers zugleich eine Steigerung der Macht deines Geistes, und jede Verminderung der Macht des Körpers ist ein Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit. Dieses Auf und Ab der Macht ist, was du als Affekt erlebst. Freude ist keine Belohnung, die von einem inneren Richter vergeben wird -- sie ist das unmittelbare Erleben der Zunahme deiner Macht. Trauer ist keine Strafe -- sie ist die gefühlte Wirklichkeit der Abnahme deiner Macht. Affekt ist im Grunde das Gewahrwerden des Geistes über die Machtschwankungen des Körpers.
Warum dies folgt
Unmittelbar aus dem in ce-01 (II.P7) festgestellten Parallelismus und der Identifikation des Geistes mit der Idee des Körpers in ce-02 (II.P13-14). Da Veränderungen in der Handlungsmacht des Körpers Veränderungen im Objekt des Geistes sind, durchläuft die entsprechende Idee -- der Geist selbst -- eine parallele Veränderung in seiner Denkmacht.
Affekt ist das Gewahrwerden des Geistes über Zu- und Abnahmen der Handlungsmacht des Körpers.
Denke an einen Moment, in dem du einen plötzlichen Energieschub oder Vitalität gespürt hast. Kannst du erkennen, dass dies zugleich ein körperliches und ein geistiges Ereignis war, ohne dass eines das andere verursachte?