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DefinitionEthics III.P11 (Note)14 / 16

Freude, Trauer, Begierde: die drei primären Affekte

Freude, Trauer, Begierde: die drei primären Affekte14
Ethics III.P11

Formale Aussage

Der Geist kann in einen Zustand größerer Vollkommenheit (Freude) oder geringerer Vollkommenheit (Trauer) übergehen. Zusammen mit der Begierde (bewusstem Appetit, III.P9 Anm.) bilden sie die drei primären Affekte. Spinoza erkennt keine weiteren primitiven Affekte an: 'Außer diesen dreien erkenne ich keinen anderen primären Affekt an.' Jeder andere Affekt ist eine Zusammensetzung oder Variation dieser drei.

In einfacher Sprache

Das gesamte menschliche Affektleben -- Liebe, Hass, Eifersucht, Stolz, Scham, Hoffnung, Furcht -- lässt sich auf drei Bausteine zurückführen. Freude ist der Übergang zu größerer Macht. Trauer ist der Übergang zu geringerer Macht. Begierde ist das bewusste Streben selbst. Liebe? Nichts als Freude, begleitet von der Idee einer äußeren Ursache. Hass? Trauer plus eine äußere Ursache. Die gesamte barocke Komplexität menschlichen Erlebens ist für Spinoza eine kombinatorische Entfaltung aus drei Grundelementen. Dies ist das emotionale Periodensystem.

Warum dies folgt

Aus ce-13 registriert der Geist Zu- und Abnahmen der körperlichen Macht. Spinoza benennt den Übergang zu größerer Vollkommenheit 'Freude' und den zu geringerer Vollkommenheit 'Trauer'. Zusammen mit der Begierde (ce-11, dem bewussten Conatus) erschöpfen diese drei die primitiven Affekte, denn sie entsprechen den einzig möglichen Richtungen der Machtveränderung: aufwärts, abwärts und das grundlegende Streben selbst.

Alle Affekte sind Zusammensetzungen aus drei Grundelementen: Freude (Macht aufwärts), Trauer (Macht abwärts) und Begierde (bewusstes Streben).

Verknüpfte Begriffe

Wähle einen komplexen Affekt -- etwa Nostalgie oder Eifersucht. Kannst du ihn in eine Kombination aus Freude, Trauer und Begierde zerlegen?