Komplexe Affekte als Zusammensetzungen der Grundelemente
Formale Aussage
Jeder komplexe Affekt ist eine Kombination der drei Grundelemente -- Freude, Trauer und Begierde --, geprägt davon, ob die zugrunde liegenden Ideen adäquat oder inadäquat sind. Liebe ist Freude mit der Idee einer äußeren Ursache; Hass ist Trauer mit einer äußeren Ursache; Hoffnung ist schwankende Freude aus der Vorstellung eines zukünftigen Dinges, dessen Ausgang ungewiss ist. Die Allgemeine Definition der Affekte definiert eine Leidenschaft als eine verworrene Idee, durch die der Geist eine größere oder geringere Existenzkraft des Körpers bejaht. Aktive Affekte hingegen fließen aus adäquaten Ideen.
In einfacher Sprache
Spinoza verbringt den Rest von Teil III damit, Dutzende von Affekten zu katalogisieren -- Liebe, Hass, Hoffnung, Furcht, Mitleid, Neid, Stolz, Demut, Reue und viele mehr. Doch seine Methode ist stets dieselbe: Nimm einen oder mehrere der drei Grundaffekte, verknüpfe sie mit einer bestimmten Art von Idee (einer äußeren Ursache, eines vergangenen Ereignisses, von etwas Ungewissem) und prüfe, ob die Idee adäquat oder inadäquat ist. Das Ergebnis ist entweder eine Leidenschaft -- etwas, das dir widerfährt, weil du die Situation nur teilweise verstehst -- oder ein aktiver Affekt, bei dem du die volle Ursache bist. Dies ist kein Katalog zum Auswendiglernen, sondern eine Grammatik zum Verinnerlichen. Sobald du das Muster siehst, kannst du jeden Affekt, den du empfindest, analysieren.
Warum dies folgt
Aus ce-04 folgt Aktivität den adäquaten Ideen und Passivität den inadäquaten. Aus ce-14 lassen sich alle Affekte auf Freude, Trauer und Begierde zurückführen. Die Kombination dieser Ergebnisse: Jeder bestimmte Affekt ist eines (oder mehrere) der drei Grundelemente, gefiltert durch einen bestimmten Erkenntniszustand. Die Allgemeine Definition der Affekte (am Ende von Teil III) formalisiert dies, indem sie eine Leidenschaft als eine verworrene Idee definiert, die eine Veränderung der Existenzkraft des Körpers bejaht.
Jeder Affekt lässt sich analysieren als ein Grundaffekt (Freude, Trauer, Begierde) kombiniert mit einer Art von Idee (adäquat oder inadäquat, vom Selbst oder vom Anderen, von Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft).
Spinoza behauptet, wir empfänden Affekte über Dinge, die wir adäquat verstehen, nicht auf dieselbe Weise wie über Dinge, die wir nur verworren erfassen. Fällt dir ein Beispiel ein, bei dem tieferes Verstehen tatsächlich den Affekt verändert hat, den du empfandest?