Unendliche Dinge folgen aus der göttlichen Natur
Formale Aussage
Aus der Notwendigkeit der göttlichen Natur müssen unendlich viele Dinge auf unendlich viele Weisen folgen -- das heißt alles, was unter den Bereich des unendlichen Intellekts fallen kann. So wie die Eigenschaften eines Dreiecks notwendig aus seiner Definition folgen, so folgen alle Dinge aus der Definition der absolut unendlichen Substanz, nur unendlich weitreichender.
In einfacher Sprache
Gott wählt nicht, die Welt zu erschaffen, wie ein Handwerker einen Entwurf wählt. Dinge folgen aus Gottes Wesen, wie Lehrsätze aus Definitionen folgen -- mit absoluter Notwendigkeit. Dies ist Spinozas radikalster Bruch mit der traditionellen Theologie: Gott ist kein Wille, der überlegt und entscheidet. Gott ist ein Wesen, aus dem alles als logische Konsequenz fließt. Die Welt ist kein kontingentes Produkt göttlicher Wahl; sie ist der notwendige Ausdruck göttlichen Wesens. Dies ist Gott als hervorbringende Natur (Natura naturans), nicht als Artefakt-Hersteller.
Warum dies folgt
Gott ist die absolut unendliche Substanz mit unendlichen Attributen (gs-04), und Gott existiert notwendig (gs-12). Eine Definition mit mehr Realität bringt mehr Eigenschaften hervor. Gottes Definition beinhaltet maximale Realität, also folgen unendlich viele Dinge aus ihr -- nicht durch Wahl, sondern durch Notwendigkeit, so wie geometrische Eigenschaften aus der Definition einer Figur folgen.
Gott/Natur ist produktive Notwendigkeit -- alles folgt aus der göttlichen Natur, wie Eigenschaften aus einer Definition folgen.
Verknüpfte Begriffe
Wenn alles notwendig aus Gottes Wesen folgt, gibt es dann Raum für echte Neuheit oder Kontingenz in der Welt?