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LehrsatzEthics III.P89 / 16

Der Conatus schließt unbestimmte Dauer ein

Formale Aussage

Das Streben, mit dem ein Ding in seinem Sein zu verharren strebt, schließt keine endliche, sondern eine unbestimmte Zeit ein. Enthielte der Conatus eine eingebaute zeitliche Begrenzung der Dauer des Dinges, würde das Ding durch eben diese Macht zu existieren aufhören -- aber nichts ist selbstzerstörerisch (III.P4). Daher hat der Conatus kein inneres Verfallsdatum.

In einfacher Sprache

Dein Antrieb, weiterzuexistieren, kommt nicht mit einem Countdown-Timer. Spinoza sagt nicht, dass du unsterblich bist -- äußere Ursachen werden dich schließlich auflösen. Er sagt, dass nichts in deiner eigenen Natur dein Ende terminiert. Das Streben ist von Haus aus zeitlich unbegrenzt. Der Tod ist stets ein Einbruch, nie eine Erfüllung. Dies ist emotional bedeutsam: Wenn wir uns endlich fühlen, kommt dieses Erleben aus unserer Begegnung mit der Welt, nicht aus einem inneren Wissen um eine eingebaute Grenze.

Warum dies folgt

Aus ce-05 (keine Selbstzerstörung) und ce-08 (Conatus ist Wesen): Schlösse das Streben eine endliche Zeitbegrenzung ein, würde sich das Ding irgendwann durch seine eigene Macht zerstören, was III.P4 widerspricht. Daher besteht der Conatus unbestimmt, es sei denn, er wird von außen überwunden.

Der Conatus hat keinen eingebauten Endpunkt; Sterblichkeit kommt nur von äußeren Ursachen.

Verknüpfte Begriffe

Bedeutet die unbestimmte Dauer des Conatus, dass das Bewusstsein unseres eigenen Todes streng genommen stets ein Bewusstsein von etwas unserem Wesen Äußerlichem ist?