Eine Substanz kann nicht von einer anderen hervorgebracht werden
Formale Aussage
Eine Substanz kann nicht von einer anderen Substanz hervorgebracht werden. Da keine zwei Substanzen ein Attribut teilen (P5), haben je zwei Substanzen nichts gemeinsam. Dinge, die nichts gemeinsam haben, können aber nicht Ursache und Wirkung voneinander sein (nach I.Ax.5 und I.Ax.4). Folglich ist keine Substanz kausal aus einer anderen abgeleitet -- die Substanz ist von nichts ihr Äußerlichem verursacht.
In einfacher Sprache
Dies ist die kausale Unabhängigkeit der Substanz. Wenn Substanz A nichts mit Substanz B gemeinsam hat (weil sie kein Attribut teilen können), dann kann A B nicht ins Sein bringen und umgekehrt. Verursachung erfordert für Spinoza eine gemeinsame begriffliche Verbindung zwischen Ursache und Wirkung. Keine Gemeinsamkeit, keine Verursachung. Das bedeutet: Jede Substanz, die existiert, muss Ursache ihrer selbst (causa sui) sein -- sie kann ihr Sein nichts anderem verdanken.
Warum dies folgt
Aus P5 (gs-07) teilen keine zwei Substanzen ein Attribut, also hätten zwei verschiedene Substanzen nichts gemeinsam. Spinozas Axiome besagen, dass Dinge ohne Gemeinsames nicht durch einander verstanden werden können (Ax.5) und dass die Erkenntnis der Wirkung von der Erkenntnis der Ursache abhängt (Ax.4). Zusammen schließt dies aus, dass eine Substanz eine andere hervorbringt.
Die Substanz kann von nichts ihr Äußerlichem hervorgebracht werden; sie muss Ursache ihrer selbst (causa sui) sein.
Verknüpfte Begriffe
Wenn Substanzen nicht kausal aufeinander wirken können, wie vermeidet Spinoza das Problem isolierter, unverbundener Wirklichkeiten?