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ZusammenfassungEthics II.P1; Ethics II.P217 / 17

Denken und Ausdehnung sind Attribute, die wir kennen

Formale Aussage

Das Denken ist ein Attribut Gottes (II.P1): Gott ist ein denkendes Ding. Die Ausdehnung ist ein Attribut Gottes (II.P2): Gott ist ein ausgedehntes Ding. Dies sind die beiden Attribute der Substanz, die der menschliche Intellekt wahrnehmen kann. Jedes wird durch sich selbst begriffen (I.P10), sodass keines auf das andere reduzierbar ist -- und doch drücken beide ein und dieselbe Substanz aus.

In einfacher Sprache

Teil I hat die Architektur errichtet: eine Substanz, unendliche Attribute, alle besonderen Dinge als Modi. Jetzt benennt Teil II die beiden Attribute, zu denen wir tatsächlich Zugang haben: Denken und Ausdehnung -- Geistiges und Körperliches. Da jedes Attribut durch sich selbst begriffen wird (P10), kannst du das Denken nicht durch die Ausdehnung erklären oder die Ausdehnung durch das Denken. Da sie aber Attribute derselben Substanz sind, hat jedes Ereignis in der Ordnung der Ausdehnung eine Parallele in der Ordnung des Denkens und umgekehrt. Dies ist die Grundlage von Spinozas Lösung des Leib-Seele-Problems: nicht Wechselwirkung, sondern Identität unter zwei Beschreibungen.

Warum dies folgt

I.P10 (gs-11) hat bewiesen, dass jedes Attribut durch sich selbst begriffen wird. I.P11 (gs-12) hat bewiesen, dass Gott notwendig mit allen Attributen existiert. I.P25 Kor. (gs-16) hat gezeigt, dass einzelne Dinge Modifikationen von Gottes Attributen sind. Nun identifizieren II.P1 und II.P2 Denken und Ausdehnung als zwei solche Attribute: Besondere Gedanken sind Modi Gottes als denkendem, und besondere Körper sind Modi Gottes als ausgedehntem.

Denken und Ausdehnung sind zwei bekannte Attribute der einen Substanz -- begrifflich unabhängig, aber ontologisch identisch.

Wenn Denken und Ausdehnung zwei Beschreibungen einer Wirklichkeit sind, warum fühlt es sich so verschieden an, einen Gedanken zu haben und gegen einen Tisch zu stoßen?

Pfad abgeschlossen!

Du verstehst nun Spinozas metaphysisches Fundament: eine Substanz, unendliche Attribute und alles als Modus. Dies ist das Erdgeschoss für alles Weitere in der Ethik.

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